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Gut leben im besten Alter

Der einfache Weg zu mehr Bewegung

Die ersten Monate sind ins Land gegangen, der Frühling ist eingekehrt, Silvester schon lange her – und irgendwo auf der Strecke sind die Neujahrsvorsätze steckengeblieben. Wie sieht es heute aus mit dem Vorsatz: mehr Sport! Endlich damit anfangen, intensiver trainieren, fitter werden, sich besser fühlen? Die Erfahrung zeigt, dass von Januar bis Februar der Run auf die Fitness-Studios enorm groß ist … und spätestens im März der „harte Kern“ die Räume wieder für sich hat. Dafür gibt es viele Gründe: Jetzt ist das Wetter wieder besser, die Tage länger und der Zeitplan zu eng, ja nächste Woche wieder.

Gut, vielleicht liegt es aber auch daran, dass schon allein das Wort „Sport“ anstrengend klingt, so nach Leistung und extra Turnklamotten anziehen und Schwitzen. Was nach sich zieht, dass nicht nur der Sport Zeit braucht, sondern auch das Duschen, wieder umziehen, runterkommen, regenerieren. Puh.
Doch angekommen in der Altersmitte hat man vielleicht wieder etwas mehr Zeit, mehr Lust auf körperliche Aktivität oder erwägt den ärztlichen Rat, besser etwas gegen ein Zipperlein zu tun, statt auszuruhen. Egal, ob man schon länger raus ist aus dem Sportuniversum oder vorher noch nie einen Gedanken daran verschwendet hat, stellt sich die Frage: Was passt zu mir und meinem Alter und wie damit (neu/wieder) anfangen? Als Einzelperson?
So oder so könnte der Start einfacher sein, wenn man das Wort „Sport“ durch „Bewegung“ ersetzt. Schließlich gehört sie automatisch zum Alltag wie Laufen, Treppen steigen, vom Bürostuhl aufstehen, an der Supermarktkasse mit den Füssen wippen, Spinnweben von der Decke saugen, Runtergefallenes aufheben usw. Die gute Nachricht: Abseits der alltäglichen Routine macht Bewegung noch mehr Spaß. Was zu beweisen ist mit ganz unterschiedlichen Programmen für Best-Agers, die wir hier vorstellen: Agilando, der etwas andere Tanzkurs, und Tai Chi – beides für Neu-Anfänger, Auffrischer und alte Hasen. „Wer einmal damit angefangen hat, bleibt dabei“, sagen die jeweiligen Kursleiter unisono. Wie wäre es also, den Neujahrsvorsatz zu aktivieren und ihn ein für alle Mal als Routine zu verankern?

Agilando
Eins zwei Wiegeschritt, zwei drei Chachacha – „selbst Anfänger, die nur wissen, dass sie einen linken und rechten Fuß haben, finden nach kurzer Zeit Spaß daran“, sagt Leif-Erik Montag, Kursleiter bei der Tanzschule Krebs. Und das ganz ohne Tanzpartner, denn Agilando hat den Kurs für Singles abgelöst. Hier finden sich auch Menschen, deren Partner andere Interessen haben oder aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen, zur geselligen Runde. Das Solo-Tanzen für Best-Ager vereint Menschen in der Altersspanne von Ende 40 bis in die 80er Jahre. „Jeder Kurs ist so abgestimmt, dass sich niemand langweilt oder überfordert wird“, versichert er.
Begonnen wird mit verschiedenen Übungen, um Gelenke und Kreislauf in Schwung zu bringen, den Körper bewusst wahrzunehmen und die Koordination zu trainieren. Nach dem Aufwärmen geht es dann richtig los: Ob bei Chachacha, Walzer, Foxtrott, Salsa oder Linedance-Elemente – für alle die mitmachen heißt es: die Musik in sich spüren, das Tanzbein schwingen und gemeinsam gute Laune haben. Gespielt werden Hits aus früheren Jahrzehnten mit gedanklichem Zeitsprung: „Ach weißt du noch“, „ich habe damals“, „stimmt, war bei mir auch so“, „nächtelang danach getanzt“ und kichern, grinsen, jung fühlen. Mit Rock-Klassikern wird es dynamischer und auch aktuelle Hits finden den Weg vom Ohr in die Beine. „Die abwechselnden Eindrücke sprechen unterschiedliche Sinne an“, beschreibt es Montag.
Ganz wichtig sei, so betont er: für Männer ist Agilando genauso vorteilhaft wie für Frauen und diverse Geschlechter. Und er erklärt, warum: „Dadurch, dass wir im Kurs Leader- mit Follower-Schritten abwechseln, sind alle so geübt, dass sie keine Aufforderung zum Paartanz abschlagen müssen.“ Denn auch das kann passieren: dass die eigene Partnerin das Tanzen später für sich entdeckt oder sich ein neuer Partner findet. Was liegt dann näher, als in der Tanzschule mit einem anderen (Senioren-)Kurs weiterzumachen.
Aber auch, wer alleine bleibt, kann wechseln bzw. einsteigen, wie es passt: Für Menschen mit (zunehmenden) körperlichen Einschränkungen ist Agilando light eine Alternative, mit Aufwärmübungen im Sitzen und Schritten statt Drehungen. „Hier geht es langsamer und gelenkschonender zu“, erklärt Montag.
Und wer sich fitter fühlt und mehr möchte, der kann sich bei Zumba Gold (das eigentliche Zumba light) mit Spaß sportlicher betätigen. In Turnklamotten ist es zu „Musik mit Wums“ ein zusätzliches Training für Oberkörper und Arme. Kursleiterin Michaela Montag beschwichtigt: „Alles ohne Hüpfen, ohne rennen, ohne Stress.“
„Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern eine schöne Zeit gemeinsam zu verbringen“, lautet das Motto der Kurse. Mit vielfältigen Effekten: mehr Stabilität und Gleichgewicht, bessere Koordination und Kondition.

Tai Chi
Die positiven Effekte können auch mit einer Bewegungsart erreicht werden, die einen völlig anderen Ansatz hat: Tai Chi. Und auch hier geht es darum, „nicht perfekt sein zu müssen, sondern sich bewusst zu spüren und natürlich auch Spaß dabei zu haben“, benennt es Angela Menzel, Gründerin der Tai Chi Schule Göttingen.
Die Bewegungsabläufe, die hier im Mittelpunkt stehen, sind fließender Natur und symbolisieren Bilder, denen man nachspüren, die man nachempfinden kann. Basierend auf dem chinesischen Prinzip des Yin und Yang geht es dabei immer um fließende, geschmeidige Bewegungen, die hoch ergonomisch ausgeführt werden. Das heißt: Die Muskeln werden nur so weit angespannt, wie es die Übung erfordert. „Dabei kommt es darauf an, nicht zu sehr zu verspannen, nicht zu locker zu sein, sondern die ausgleichende Balance zu finden“, beschreibt es Angela Menzel.
Gestartet wird mit Qigong-Übungen, die mehr sind als nur ein Warm-Up: Sie helfen mit ihrer Symbolik, den Alltag im wahrsten Sinne abzuschütteln und hinter sich zu lassen. Sich „wie die Zweige einer Weide im Wind“ zu bewegen, versetzt den Körper in Schwingungen Richtung Erde; „den Mond umarmen und in den Schoß versenken“ streckt den Körper und verleiht Stabilität; „die Unsterblichen malen Bilder“ zeichnet sich durch hohe und tiefe Bögen aus, die das Oben und das Unten vereinen. Man spürt die Verwurzelung im Boden, die stabile Souveränität der Körpermitte und sichere Balance.
Ist man von Kopf bis Fuß bei sich selbst, schließt sich der langsame Bewegungsablauf des Tai Chi an, der aus ebenfalls drei symbolischen Formteilen besteht: „Die Erde“ schult das Gehen und Stehen, „der Himmel“ vereint Aufwärts-Bewegungen, bei denen die Füße kicken oder sich die Arme weit nach oben öffnen, „der Mensch“ lebt ausgewogen zwischen diesen Polen sein Leben. Etwa 20 bis 30 Minuten lang vertieft man sich mit seinem Körper in diese Bilder, kann gedanklich in sie eintauchen oder mit eigenen Erfahrungen verbinden. In jedem einzelnen Moment oder im kompletten Ablauf, wie Angela Menzel betont. Es kann eine Reise ins Innere sein, in die Fantasie, oder eine achtsame Konzentration auf den eigenen Körper – von der Fuß- bis in die Fingerspitze, oder ein beschwingtes fließendes Erlebnis. Nichts lenkt ab, der Kopf wird frei. Körper, Geist und Atem finden in Harmonie zueinander. „Der ganze Mensch ist in der Bewegungsfolge präsent: Körper, Körpergefühl, Konzentration, Vorstellungskraft,“ beschreibt es Menzel.
Tai Chi ist sozusagen ein Gesamtpaket von Entspannungs-, Lebenskunst, Gesundheits- sowie Kampfkunst. Jeder Kurs vereint alle Aspekte, setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt, sodass jeder einen passenden findet. In jedem Alter. Und immer mit dem Ergebnis: Die Faszien werden geschmeidiger, die Gelenke beweglicher, der Rücken gestärkt, die Stabilität geschult, die eigene Wahrnehmung geschärft, die Laune gehoben.

Fazit
Beide Bewegungsarten machen Spaß, bringen positive Bewegung ins Leben und heben die Laune, jede auf ihre ganz eigene Art: Agilando punktet mit der Geselligkeit, Tai Chi mit der inneren Einkehr, aus der man Kraft schöpft. Folgt man der ärztlichen Empfehlung, sich mindestens zweimal pro Woche intensiver zu bewegen, um gesund zu altern – warum nicht beides machen? Sich einfach bewegen – das kann man jederzeit anfangen. Nicht nur in jungen Jahren, sondern jetzt. Nicht nur Anfang Januar, sondern jetzt.

Foto: Adobe Stock (generative KI)